Zimtwasser in einer Glastasse und einer Glaskanne mit Zimtstangen und getrockneten Zitrusscheiben auf einem Holztisch Zimtwasser in einer Glastasse und einer Glaskanne mit Zimtstangen und getrockneten Zitrusscheiben auf einem Holztisch

Gewürzwasser: 8 einfache Rezepte und ihre Tradition

Gewürzwasser: 8 einfache Rezepte und ihre Tradition

Rezepte & Gewürzwissen-Blog

Eine angedrückte Kardamomkapsel, ein Stück Zimtstange oder wenige Safranfäden: Schon kleine Mengen können Wasser einen überraschend vielschichtigen Geschmack geben. Gewürzwasser lässt sich unkompliziert zubereiten, warm genießen oder nach dem Abkühlen servieren. Hier lernst du acht Varianten kennen – mit einfachen Rezepten, ihrem kulturellen Hintergrund und Ideen, wie du die aromatischen Aufgüsse auch beim Kochen verwenden kannst.

Was ist Gewürzwasser?

Gewürzwasser entsteht, wenn Gewürze in Wasser ziehen oder kurz darin köcheln. Dabei gehen Aromen und je nach Zutat auch Farbe in die Flüssigkeit über. Anschließend werden die festen Bestandteile meist abgesiebt. Du brauchst dafür weder Milch noch Zucker, Sirup oder Teeblätter.

Die Grenze zwischen einem milden Gewürzwasser und einem kräftigen Gewürztee ist fließend. In diesem Artikel geht es um eher zurückhaltend gewürzte Getränke: Das Wasser bleibt leicht, während ein einzelnes Gewürz seinen eigenen Charakter zeigt. Genau darin liegt der Reiz. Kardamom schmeckt ohne Kaffee anders, Zimt ohne Milch und Kreuzkümmel ohne die übrigen Zutaten eines Currys.

Tradition, Geschichte und Ayurveda: nicht jedes Gewürzwasser hat dieselbe Herkunft

Wässrige Pflanzenzubereitungen haben in der ayurvedischen Literatur einen festen Platz. Die Charaka Samhita unterscheidet im Sutrasthana, Kapitel 4, Vers 7, mehrere grundlegende Zubereitungsformen. Dazu gehören Phanta, ein heißer Aufguss, Shruta beziehungsweise Kwatha, eine Abkochung, und Sheeta, eine Zubereitung durch längeres Ausziehen in abgekühltem Wasser.

Diese Begriffe stammen aus einem medizinischen Zusammenhang. Sie helfen, die Geschichte der Zubereitungstechniken zu verstehen. Unsere Mengen und Ziehzeiten sind dagegen kulinarische Rezeptvorschläge für die eigene Küche; wir stellen sie nicht als überlieferte Behandlungsrezepte dar.

Daneben gibt es eine lebendige Alltagskultur. Die aus Kerala stammende Rezeptautorin Swathi beschreibt beispielsweise Jeeraka Vellam mit Kreuzkümmel und Malli Vellam mit Koriandersamen als Varianten gewürzten Wassers aus ihrer Heimat. Solche Getränke gehören regional zur Haus- und Tischkultur, auch unabhängig von einer medizinischen Anwendung.

Die heute häufig als CCF-Tee bezeichnete Mischung aus Cumin, Coriander und Fennel – also Kreuzkümmel, Koriander und Fenchel – findet sich wiederum in der modernen ayurvedisch geprägten Küche. Nicht jede heutige Kombination lässt sich deshalb unmittelbar auf einen bestimmten klassischen Vers zurückführen. Bei Safranwasser begegnen wir außerdem einer anderen Tradition: In der persischen Küche dient es als aromatische und färbende Zutat für Reisgerichte.

Ein Thema, mehrere Traditionen: Ayurvedische Zubereitungstechniken, indische Alltagsgetränke und heutige Küchenideen überschneiden sich. Eine einzige historische Urform für alle acht Gewürzwasser wäre jedoch zu einfach erzählt.

Aufgießen oder sanft köcheln?

Für den Einstieg reichen ein kleiner Topf, eine hitzefeste Kanne und ein feines Sieb. Ganze Gewürze lassen sich gut dosieren und später leicht entfernen. Drücke Kapseln oder Samen erst kurz vor der Zubereitung leicht an; fein mahlen musst du sie nicht.

  1. Wenig Gewürz verwenden: Beginne mit den unten angegebenen Mengen. Besonders Nelken und Ajowan prägen ein Getränk schon in kleiner Menge.
  2. Die passende Methode wählen: Beim Aufguss übergießt du die Gewürze mit kochendem Wasser. Beim Köcheln erhitzt du sie gemeinsam mit dem Wasser und lässt sie bei kleiner Hitze weiterziehen.
  3. Zeit geben: Lass Aufgüsse zugedeckt ziehen. Beim Köcheln den Deckel locker auflegen und darauf achten, dass der Topf nicht überkocht.
  4. Abseihen und abschmecken: Ist das Ergebnis zu kräftig, verdünne es mit etwas frisch aufgekochtem Wasser.
Gewürzwasser zubereiten: Aufgießen für Kardamom, Nelken, Fenchel und Safran; sanftes Köcheln für Zimt, Ajowan, Kreuzkümmel und Koriander.
Für die Zubereitung: Das Bundesinstitut für Risikobewertung empfiehlt, Kräuteraufgüsse mit sprudelnd kochendem Wasser zuzubereiten und mindestens fünf Minuten ziehen zu lassen. Auch unsere Gewürzwasser-Rezepte beginnen deshalb mit kochendem Wasser oder werden im Topf aufgekocht. Für ein kaltes Getränk den fertigen Aufguss zügig abkühlen und anschließend im Kühlschrank aufbewahren.

8 einfache Rezepte für Gewürzwasser

Die folgenden Mengen ergeben jeweils etwa 500 ml, also zwei kleine Tassen. Nur das Safranwasser ist für ein Glas mit 250 ml ausgelegt. Es sind bewusst mild angesetzte Vorschläge: Gewürze unterscheiden sich in ihrer Intensität, und auch dein persönlicher Geschmack entscheidet.

Direkt zum Rezept: Kardamom · Zimt · Ajowan · Nelken · Kreuzkümmel · Safran · Fenchel · Koriander

1. Kardamomwasser – frisch, blumig und fein würzig

Zubereitung: Die Kapseln mit einem Mörser leicht aufdrücken. Kapselhüllen und Samen in eine hitzefeste Kanne geben, mit sprudelnd kochendem Wasser übergießen und zugedeckt 8–10 Minuten ziehen lassen. Anschließend abseihen.

Geschmack: Kardamom bringt frische, zitrusartige und blumige Noten mit. Je nach Gewürz und Dosierung erinnert sein Duft auch ein wenig an Eukalyptus.

Küchenidee: Ersetze beim nächsten Porridge einen Teil des Wassers durch frisch zubereitetes Kardamomwasser. Auch Milchreis lässt sich damit fein aromatisieren.

2. Zimtwasser – weich und süßlich im Duft

Zubereitung: Zimt und Wasser in einen kleinen Topf geben, aufkochen und bei kleiner Hitze etwa 10 Minuten sanft köcheln lassen. Den Deckel dabei locker auflegen. Die Zimtstange vor dem Servieren entfernen.

Geschmack: Ceylon-Zimt ergibt eine feine, süßlich-würzige Note, die je nach Charge auch an Orange erinnern kann. Der süßliche Eindruck kommt vom Aroma; zugesetzter Zucker ist für dieses Rezept nicht nötig.

Variante: Zwei dünne Apfelscheiben mitköcheln lassen. Das passt auch als Flüssigkeit für ein kleines Apfelkompott.

3. Ajowanwasser oder Omam-Wasser – kräftig und kräuterwürzig

Zubereitung: Die Samen leicht andrücken, mit dem Wasser aufkochen und etwa 5 Minuten sanft köcheln lassen. Vom Herd nehmen, zugedeckt weitere 3 Minuten ziehen lassen und fein absieben.

Geschmack: Ajowan erinnert an Thymian, mit einer ausgeprägt würzigen, leicht pfeffrigen Note. Taste dich deshalb mit wenig Gewürz heran. Ein kleiner warmer Aufguss passt geschmacklich etwa zu Fladenbrot oder einem Linsengericht.

Omam ist nicht immer dasselbe Getränk: Omam beziehungsweise Omum sind regionale Namen für Ajowan. In der Siddha-Tradition bezeichnet Oma Theeneer eine destillierte Zubereitung. Unser einfach aufgekochtes Ajowanwasser ist kein solches Destillat. Die ähnlich klingenden Bezeichnungen sollten daher nicht gleichgesetzt werden.

4. Nelkenwasser – dunkel, duftig und intensiv

Zubereitung: Die Nelke mit kochendem Wasser übergießen und zugedeckt etwa 8 Minuten ziehen lassen. Anschließend herausnehmen.

Geschmack: Schon eine einzelne Nelke kann Wasser deutlich aromatisieren. Typisch sind ein süßlich-würziger Duft und eine kräftige, leicht scharfe Note.

Variante: Wenn dir der erste Aufguss zu mild ist, kannst du beim nächsten Mal zwei Nelken verwenden. Für eine rundere Mischung eignet sich auch eine Nelke zusammen mit einem kleinen Stück Zimtstange.

5. Kreuzkümmelwasser – Jeeraka Vellam für die eigene Küche

Zubereitung: Kreuzkümmel leicht andrücken, mit dem Wasser aufkochen und etwa 5 Minuten sanft köcheln lassen. Vom Herd nehmen, zugedeckt weitere 5 Minuten ziehen lassen und abseihen.

Geschmack: Kreuzkümmel schmeckt erdig, warm-würzig und leicht nussig. Gemeint ist hier Cumin; der bei uns ebenfalls bekannte Kümmel besitzt ein anderes Aroma.

Variante: Für eine leichte Röstnote kannst du die ganzen Samen vorher im trockenen Topf kurz erwärmen, bis sie duften. Nicht dunkel rösten. Den Topf anschließend vom Herd nehmen und das Wasser vorsichtig zugeben.

Goldfarbenes Gewürzwasser im Glas neben einer Schale mit Kreuzkümmelsamen auf einem Holztisch

6. Safranwasser – wenige Fäden, feiner Duft

Zubereitung: Die Fäden in einem kleinen Mörser vorsichtig zerreiben. In eine hitzefeste Tasse geben, mit kochendem Wasser übergießen und zugedeckt etwa 10 Minuten ziehen lassen. Die feinen Fäden dürfen im Getränk bleiben.

Geschmack: Safran duftet eigenständig, leicht heuartig und blumig, mit einer feinherben Note. Mehr ist hier nicht automatisch besser.

Küchenidee: In der persischen Küche wird Safran häufig zunächst in wenig Wasser ausgezogen und anschließend an Reis gegeben. Unser milderes Safranwasser kannst du entsprechend als Teil der Flüssigkeit für Reis, Grießbrei oder eine helle Sauce verwenden.

7. Fenchelwasser – mild und anisartig

Zubereitung: Die Samen leicht zerstoßen, mit kochendem Wasser übergießen und zugedeckt 8–10 Minuten ziehen lassen. Danach absieben.

Geschmack: Fenchel bringt eine weiche, süßlich anmutende Anisnote ins Wasser. Er ist eine schöne Ergänzung zu den dunkleren Aromen von Zimt und Nelken.

Küchenidee: Verwende frisch zubereitetes Fenchelwasser als Teil der Flüssigkeit zum Pochieren von Birnen. Eine kleine Menge Zitronensaft setzt dazu einen frischen Kontrast.

8. Korianderwasser – zitrusartig und überraschend sanft

Zubereitung: Die Samen grob andrücken, mit dem Wasser aufkochen und etwa 5 Minuten sanft köcheln lassen. Anschließend vom Herd nehmen, zugedeckt weitere 5 Minuten ziehen lassen und abseihen.

Geschmack: Koriandersamen besitzen eine weiche, zitrusartige, leicht nussige Würze. Ihr Geschmack unterscheidet sich deutlich vom frischen Koriandergrün. Auch wenn du die Blätter nicht magst, kann dir diese Variante deshalb schmecken.

Variante: Eine angedrückte Kardamomkapsel ergänzt die frischen Noten. Pur eignet sich Korianderwasser auch als Flüssigkeit für Couscous oder eine Möhrensuppe.

Was den Duft und Geschmack ausmacht

Viele Gewürze enthalten ätherische Öle mit charakteristischen Duftstoffen. Der Spices Board of India nennt beispielsweise Zimtaldehyd als prägenden Aromastoff von Zimt und Eugenol bei Gewürznelken. Im Kardamomaroma spielen unter anderem α-Terpinylacetat und 1,8-Cineol eine Rolle.

Diese Namen beschreiben Bestandteile des Aromas: süß-würzig beim Zimt, markant nelkenartig beim Eugenol und frisch bis eukalyptusartig beim Cineol. Das Zusammenspiel vieler Stoffe macht jedoch den vollständigen Duft eines Gewürzes aus. Ein Aufguss schmeckt deshalb nicht einfach wie ein einzelner isolierter Aromastoff.

Wie kräftig dein Gewürzwasser wird, hängt unter anderem von der Menge, dem Zerkleinerungsgrad und der Zubereitungszeit ab. Probiere beispielsweise Kardamom einmal mit geschlossenen und einmal mit leicht geöffneten Kapseln – bei gleicher Wassermenge und Ziehzeit. So lässt sich der Unterschied direkt erschmecken.

Eine Mischung aus Kreuzkümmel, Koriander und Fenchel

Wenn du die Gewürze einzeln kennengelernt hast, lohnt sich eine Kombination. Diese milde Küchenvariante ist von der heute verbreiteten CCF-Mischung inspiriert:

  • ¼ TL Kreuzkümmel
  • ¼ TL Koriandersamen
  • ¼ TL Fenchelsamen
  • 500 ml Wasser

Zubereitung: Alle drei Gewürze leicht andrücken, mit dem Wasser aufkochen und 5 Minuten sanft köcheln lassen. Vom Herd nehmen, zugedeckt weitere 5 Minuten ziehen lassen und fein absieben.

Kreuzkümmel gibt der Mischung ihre erdig-würzige Basis, Koriander ergänzt eine zitrusartige Note und Fenchel rundet sie mit seinem süßlichen Anisaroma ab. Für eine mildere Variante beim nächsten Mal etwas weniger Kreuzkümmel verwenden.

Gewürzwasser auch beim Kochen verwenden

Ein frisch zubereiteter Aufguss kann eine einfache Möglichkeit sein, ein Gericht ohne sichtbare Gewürzstücke zu aromatisieren. Ersetze zunächst nur einen Teil der ohnehin vorgesehenen Flüssigkeit:

  • Porridge und Milchreis: Kardamom- oder Zimtwasser ergänzen die Getreidenoten.
  • Reis und Couscous: Koriander-, Kreuzkümmel- oder Safranwasser bringen jeweils einen anderen Charakter mit.
  • Apfel- und Birnenkompott: Zimt- oder Fenchelwasser lassen sich als Kochflüssigkeit verwenden.
  • Gemüsesuppen: Korianderwasser passt zu Möhren, Kreuzkümmelwasser etwa zu Linsen und Kürbis.
  • Kalte Getränke: Einen heiß zubereiteten Aufguss zügig abkühlen, kalt stellen und erst beim Servieren nach Geschmack etwas Zitronensaft ergänzen.

Am meisten erfährst du über ein Gewürz, wenn du zunächst nur dieses eine verwendest. Danach lassen sich Kombinationen viel gezielter zusammenstellen – und aus einem einfachen Glas Wasser wird eine kleine Geschmacksprobe.

Häufige Fragen zu Gewürzwasser

Welches Gewürzwasser eignet sich für den Einstieg?

Das ist vor allem eine Geschmacksfrage. Kardamomwasser schmeckt frisch und duftig, Ceylon-Zimtwasser süßlich-würzig. Für herzhafte Noten bieten sich Kreuzkümmel und Koriander an. Nelken und Ajowan sind besonders ausdrucksstark; beginne hier mit den kleinen Rezeptmengen.

Kann ich statt ganzer Gewürze Pulver verwenden?

Grundsätzlich ja, allerdings lässt sich Pulver schlechter absieben und kann sich am Boden absetzen. Für klare Aufgüsse sind ganze oder grob angedrückte Gewürze praktischer. Ein Papierfilter hält auch feinere Teilchen zurück.

Muss Gewürzwasser über Nacht ziehen?

Für diese Rezepte ist das nicht nötig. Wir arbeiten mit kochendem Wasser und kurzen, klar angegebenen Zeiten. Soll das Getränk kalt serviert werden, bereite es heiß zu, kühle es zügig ab und stelle es anschließend in den Kühlschrank.

Wie lange kann ich Gewürzwasser aufbewahren?

Bereite möglichst kleine Mengen frisch zu. Wenn du es nicht direkt trinkst, lasse es zügig abkühlen und bewahre es abgedeckt im Kühlschrank auf. Für unsere Küchenrezepte empfehlen wir, es noch am selben Tag zu verbrauchen und nicht stundenlang lauwarm stehen zu lassen.

Was mache ich, wenn der Aufguss zu kräftig schmeckt?

Verdünne ihn mit frisch aufgekochtem Wasser und verwende bei der nächsten Zubereitung weniger Gewürz. Verkürze nicht einfach die Mindestziehzeit für die heiße Zubereitung, um den Geschmack abzumildern.

Sind alle Rezepte klassische Ayurveda-Rezepte?

Nein. Die genannten Zubereitungsformen sind historisch beschrieben; einzelne Gewürzwasser haben außerdem regionale kulinarische Traditionen. Die Mengen und Zeiten dieses Artikels sind jedoch eigene, alltagstaugliche Küchenvorschläge. Sie sind keine Übertragung einer ayurvedischen Behandlung.

Quellen und weiterführende Literatur